NAVVIS @ FAZ

NAVVIS has been featured in the press. Below you can find the article that appeared in reknown Frankfurter Allgemeine Zeitung on July 1st 2013:

FAZ_01_07_2013

 

Den Weg zum Konferenzraum oder zum Hörsaal zu finden kann mitunter kompliziert sein. Zumal in Gebäuden, in denen ein Flur aussieht wie der andere und die Zimmernummern im vierstelligen Bereich liegen. Manche Bürokomplexe, Universitäten und Museen erinnern verdächtig an das Brettspiel “Verrücktes Labyrinth”. Damit das Herumirren ein Ende hat, entwickelt das Start-up “Navvis” aus München eine GPS-App für den Innenraum. Smartphone-Besitzer können sich schon jetzt bequem von Google Maps durch Stadtviertellotsen lassen. Hier muss man sich schon lange nicht mehr durch den Schilderwald kämpfen. „Für die Orientierung in Gebäuden fehlt es bisher aber an praktikablen Lösungen”, erklärt Georg Schroth, einer der Gründer von Navvis. Denn hinter den Mauern gibt es bisher kaum Empfang für GPS-Signale. Das Kernteam von Navvis besteht aus vier gleichberechtigten Gesellschaftern, wovon drei an der Technologie geforscht haben. Georg Schroth, Sebastian Hilsenbeck und Robert Huitl haben als Mitarbeiter des Lehrstuhls für Medientechnik die Technologie entwickelt. Wirtschaftliche Expertise bringt Felix Reinshagen in das Unternehmen ein. Die Ersten, die nach einer Lösung für das Problem suchen, sind die Navvis-Gründer allerdings nicht. Schon andere Anbieter haben sich auf dem Gebiet versucht. “Am meisten verbreitet sind Wifi-basierte Lokalisierungen”, erklärt Schroth. Das heißt, dass die verlorenen Signale in Gebäuden mit Hilfe von Repeatern verstärkt werden. Dabei fallen allerdings hohe Wartungskosten an. Auch die Lokalisierung via Magnetfelder und durch Blitzlichter gibt es schon. Mit ihrer Lösung wollen die vier Gesellschafter die lndoor-Navigation einfacher machen. Denn die bisherigen Technologien sind anfällig für Störungen – Rolltreppen, Türen oder Personen können das Signal ablenken. “Die Technologie von Navvis stützt sich auf Bilder und arbeitet somit wie der Mensch”, erklärt Reinshagen den Unterschied. Ganz ohne Aufwand funktioniert aber auch diese visuelle Herangehensweise nicht. Wie bei den anderen Techniken kommt man auch hier nicht um die Arbeit des Kartierens herum. Alle Räume müssen zuvor mit einem Laser abgelichtet und Fotos gemacht werden, damit die Bilder anschließend auf einem Datenserver gespeichert werden können. Wer nach dem richtigen Weg sucht, kann mit seinem Handy ein Foto von der Umgebung schießen. Die Bilder werden dann mit den gespeicherten Aufnahmen in der Datenbank verglichen. So kann die Person geortet und der Weg – wie bei Navigationssystemen üblich – mit Pfeilen eingeblendet werden. Doch den Weg zu weisen ist nicht allein das Ziel der Jungunternehmer. Die App soll künftig auch Informationen über Kunstwerke und Gebäude liefern, an denen der Nutzer unterwegs vorbeikommt. “Somit kann die App auch als City-Guide dienen”, erklärt Felix Reinshagen. Im Herbst startet die Firma ein Pilotprojekt im Deutschen Museum in München. Die Navvis-App soll die Besucher von da an durch das größte naturwissenschaftlich-technische Museum der Welt lotsen. In Zukunft wollen die Gründer zu einzelnen Ausstellungsstücken außerdem Informationen einblenden. Für ihre Arbeit wurden die Jungunternehmer jüngst mit dem lde-Award belohnt, einem Gründerpreis, den die Technische Universität München gemeinsam mit dem Gründerzentrum “Unternehmertum” und der Zeidler-Forschungs-Stiftung einmal im Jahr vergibt. “So eine Auszeichnung hilft einem als Start-up sehr, weil sie zeigt, dass auch andere Leute an einen glauben”, sagt Georg Schroth. An ihre Geschäftsidee glauben die Münchner in der Tat nicht alleine. Seit April werden sie vom Münchner Gründerzentrum “Unternehmertum”, einem AnInstitut derTechnischen Universität, gefördert. Kickstart heißt das Programm, das ausgewählten Gründerteams den Markteintritt mit Seminaren und Workshops erleichtern will. Überhaupt wäre das Projekt, das aus einem Forschungsprojekt des Lehrstuhls für Medientechnik hervorgegangen ist, ohne die Nähe zum Hochschulkosmos kaum realisierbar gewesen. “Die Kosten für die Grundlagenforschung kann kein Start-up tragen”, sagt Reinshagen. Deswegen sei es wichtig, dass die Hochschulen die Entwicklung solcher Technologien und junge Unternehmer bei ihrem Weg in die Selbständigkeit fördern. Seit 2009 forscht Schroth an der Navigationstechnik, die Idee dazu ist ihm während eines Aufenthalts an der Universität in Stanford gekommen. Auf seine Initiative richtete sein Professor ein Forschungsprojekt ein, finanzierte es zunächst allein aus Mitteln des Lehrstuhls, bis das Bundesministerium für Wirtschaft und Forschung Gelder bereitstellte. Die unübersichtlichen Flure der Technischen Universitäten sind noch in einer anderen Hinsicht von Vorteil: Sie dienen dem Team als Testgelände. Hier haben die Münchner zum ersten Mal ein Gebäude für Ihre App aufgenommen. Viele weitere sollen folgen. “Unser Ziel ist es, ein Ökosystem aufzubauen, in dem möglichst viele Gebäude enthalten sind”, erklärt Reinshagen. Von der Nähe zum Campus profitieren die Gründer auch durch die vielen Spezialisten, die hier ausgebildet werden. “Demnächst wollen wir Software-Entwickler einstellen, die das Produkt weiterentwickeln”, kündigt Reinshagen an. Dabei hoffen die Gründer auch auf die zahlreichen Studenten auf dem Campus. Denn noch gelte es, die Lücke zwischen Forschung und einem kundenfreundlichen Produkt zu schließen. Geld verdienen wollen die vier Gesellschafter mit Navvis durch den Verkauf von Trolleys, den Kartierungsservice sowie eine monatliche Gebühr für die Gebäudebesitzer, die das Navigationssystem nutzen wollen. Die vier Co-Gründer des Münchner Start-ups befinden sich noch auf dem Weg in den Markt, von dem sie – ihrem Produkt sei Dank – so leicht nicht abkommen können. ANDREA EIBL

 

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